Das
Musikstück : Tango Oktogon
, für Violine, Akkordeon, Gitarre und Kontrabass
(ca.12 Min.),
wurde
2007 vom Komponisten Erik Janson zum Bild Oktogonquadrat 3
komponiert und am 31.10.2008
in Düsseldorf vom Ensemble tangoAXP im Rahmen des
Projektes AFTER PIAZZOLLA
uraufgeführt.
Erik Janson gibt dazu auf seiner
Homepage folgenden Werkkommentar:
Tango Oktogon (2007)
ist inspiriert vom unten dargestellten Bild Oktogonquadrat 3 des Künstlers
Peter Kenter, in welchem er 72 verschiedene Oktogonquadrate mit steigenden
(oder gleichen) Flächeninhalten so an ordnete, dass die 12 Reihen je 6
Oktogonquadrate an der mittleren Bildachse gespiegelt sind. Die 12 Formteile
meines Tango bilden die 12 Oktogonquadrat-Reihen des Bildes nach, mit jeweils
musikalischen Spiegelachsen in der Mitte. Die Musiker machen teilweise, zum
besseren Erkennen dieser Oktogonquadrat-Reihen, jeweils eine kurze Zäsur, in
der geblättert wird. Für den zeitlichen Rahmen der rhythmischen Struktur
definierte ich immer zwei 4/4-Takte pro Oktogonquadrat. Es enstehen also 12
Palindrome. Immer nach 12 Takten (entsprechend den 6 Oktogonquadraten) werden
Tonfolge und Rhythmus gespiegelt. Im Bild gibt es 27 verschiedene
(ansteigende) Flächeninhalt-Quantitäten. Oktogonquadrate mit gleichem
Flächeninhalt (Quantität) aber minimal anderer Gestalt (Qualität) folgen
unmittelbar aufeinander. Der zunehmende Flächeninhalt der Quadrate ist
musikalisch durch ständig zunehmende Ereignisdichte (16-tel-Füllung in 2
Takten von maximal 32 Impulsen) umgesetzt. Bei aufeinander folgenden Quadraten
mit gleichem Flächeninhalt aber anderer, minimal wandelnder Gestalt
komponierte ich entsprechend dieselbe Ereignisdichte bzw. rhythmische Impulse,
aber andere Tonfolgen und Intervallen. Der „Tango“ beginnt also zunächst sehr
Tango-untypisch: mit relativ viel Stille, mit nur zwei Einsätzen: zwei kurze
16-tel-Impulse, einer am Anfang des ersten und der zweite erst am Ende des
zweiten Taktes. Im weiteren Verlauf stehen zunächst auch lichtere, selbst
erfundene rhythmische Strukturen. Er steigert sich aber kontinuierlich bis zum
Schluss und wird immer Tango-hafter bis zu einem „Modo di Tango“ im virtuosen
Schlussteil, in dem kaum noch Pausen sind. Ich verwende in Tango Oktogon
insgesamt über 20 typische Tango-Rhythmen mit ihren Variationen. Erstmals
erscheint das „Sincopa-1“-Pattern, ein alter Tango-Rhythmus (Takt 58/59), im
letzten Teil schließlich die bewegten, Piazolla-typischen Pattern des Tango
nuevo. Als Regel definierte ich dabei folgende: Sobald der Flächeninhalt des
jeweils zu vertonenden Oktogonquadrates musikalisch der 16-tel-Füllung
(Ereignisdichte oder rhythmische Impulsdichte) eines (bzw. dann jeweils eines
neuen, variierten) Tango-Patterns entspricht, muss das entsprechende
Tango-Pattern verwendet werden. Zudem „zwangen“ mich quasi die Tango-Pattern,
die rhyhtmisch nicht umkehrbar sind, zu Abweichungen vom strengen
Spiegel-Prinzip. Denn das Spiegelachsen-Prinzip hob ich bei diesen
unumkehrbaren Tango-Rhythmen auf, um sie erkennbar zu halten und die
typischen, nicht verfremdeten Tango-Abschnitte zu verlängern. Das „Tango“-hafte,
Tänzerische Element ließ ich also bewusst die Strenge der Konstruktion auf
brechen. Ebenso sind Dynamik- und Klangfarben-Behandlung sowie die
Artikulation zuweilen bewusst gegen das strenge Spiegelungsprinzip komponiert.
Durch diese teils intuitiv, teils aus dem Bild von mir selbst abgeleiteten
aber auch selbst dazu definierten Tangopattern-Kompsitions-Regeln entstand ein
Werk, in dem der Aspekt des konsequent Konstruktiven der Bildvorlage dem
typisch Emotionalen, dem Leidenschaftlichen des Tango entgegen gesetzt ist.
Dennoch wird das Werk immer Tango-artiger, je fülliger auch die
Oktogonquadrate unten im Bild werden.
Das Projekt:
Astor Piazzolla (1921-1992) hat den Tango Argentino wie kein anderer Musiker
des 20. Jahrhunderts
geprägt. Piazzollas fünfzehnter Todestag im Jahr 2007 war daher Anlass, diesen
großen Musiker mit
einer Hommage der besonderen Art zu ehren. Offen für die verschiedenen
musikalischen Strömungen
seiner Zeit erweiterte Piazzolla den traditionellen Tango. Er verarbeitete
Einflüsse aus Jazz, Pop sowie
der Avantgarde und erschuf mit dem
tango nuevo eine Musik von einzigartiger Vitalität und Frische.
Hieran anknüpfend hat das Ensemble
tangoAPX (Yoko
Eva Jungesblut (Violine), Maik Hester (Akkordeon),
Andreas Heuser (Gitarre), Milivoj Plavsic (Kontrabass)
Komponisten der zeitgenössischen Musik mit
der
Neukomposition je eines Tangos beauftragt. So entstehen musikalische
Reflexionen der jungen
Komponistengeneration am Beginn des 21. Jahrhunderts über eine noch sehr
frische und und
lebendige Traditionslinie der Gegenwartsmusik – und zugleich künstlerische
Expeditionen entlang
der vermeintlich streng gezogenen Grenze zwischen E- und U-Musik. Präsentiert
werden die
Ergebnisse dieses Projekts durch das Ensemble
tangoAPX in Verbindung mit
einigen der
bedeutendsten Kompositionen Astor Piazzollas.
Für After Piazzolla entstanden bislang folgende Kompositionen
Sidney Corbett,
Black Tango
(2007)
Peter Fulda, Rat Line (2007)
Sebastian Hanusa, sand aus
argentinien (2007)
Erik Janson, Tango Oktogon
(2007)
Tom Johnson, Tango (1984,
Bearbeitung Maik Hester 2007)
Johannes Marks, Danza infernal y
patética (2007)
Paul Panhuysen, Tango Fibonacci
(2006)
Johannes S. Sistermanns, tAnGo
CitÈ (2007)
mit Zuspiel - CD
(u.a. Wolfgang Schliemann, Percussion)
Christoph Theiler, Ochos y
Molinetas UA (2007)
Von der Homepage von Dr. Maik Hester stammt folgende
Projektbeschreibung zum Herunterladen (484 kB)